Wer wir sind

Wir sind momentan eine feste Gruppe aus drei Personen, die sich zufällig im Februar 2024 auf der Lichtenberger Kiezversammlung kennengelernt haben. Wir hatten damals unterschiedliche Ideen mit einer hohen Schnittmenge: etwas in Lichtenberg ins Leben zu rufen, das sich um Schreiben, Literatur, Lesungen und Queerness dreht. Daraus wurde die Idee der Lesebühne „queergelesen“ geboren, die zwei Schwerpunkte hat. Die „offene Lesebühne“ und die „queere Lesebühne“. Ein Format mit zwei unterschied-lichen Schwerpunkten, die abwechselnd stattfinden, kostenlos und für alle! 2025 kam noch eine weitere Person hinzu, die aber aus persönlichen Gründen in 2026 erstmal pausiert.

Das Konzept

Die queere Lesebühne

Die queere Lesebühne hat zum Ziel, Sichtbarkeit für queeres Lebensgefühl, für queere Wahrnehmungen und Analysen zu schaffen: wir laden zeitgenössische queere Autor*innen ein, aus ihren Büchern zu lesen und über sich selbst, ihr Lebensgefühl und ihre Protagonist*innen zu reflektieren. Es werden von uns aber auch immer wieder Werke bereits verstorbener Autor*innen präsentiert und daraus vorgelesen – weil wir sie persönlich gut finden und auch, um sie aus der Vergessenheit zu holen, und um dem Marginalisieren und Unsichtbarmachen des Mainstream-Literaturbetriebs entgegen zu wirken.

Die offene Lesebühne

Die offene Lesebühne bietet eine Plattform jenseits des klassistischen und elitären Literaturbetriebes für Menschen, die entweder professionell schreiben, aber aus Verlagssicht nicht „verwertbar“ sind, oder aber Schreiben als Leidenschaft betreiben, sich ausprobieren wollen und einen niedrigschwelligen Einstieg suchen in das ganze Feld. Thematisch ist die offene Bühne nicht festgelegt, alle Texte und Präsentations-formen sind willkommen, musikalische Darbietungen ebenso wie Performances.

So ticken wir

Seit Februar 2024 ist viel passiert. Wir kannten uns gar nicht, haben uns aufeinander eingelassen, haben mehr als 10 Bühnen organisiert, Förderanträge gestellt, Konzepte diskutiert und wieder verworfen, haben uns selbst auf die Bühne gewagt, uns gegenseitig beraten, Moderationstechniken gelernt, Räume, Getränke und Snacks besorgt, eine Insta-Seite aufgebaut, kreative Schreibcafes gemacht und eine kleine „Fangemeinde“ aufgebaut. Und was uns am meisten freut: Wir haben viele spannende und tolle Menschen kennenlernen dürfen und ebenso tolle, einzigartige Geschichten und Texte.

Wir haben uns aber auch in allem diesem verändert. Auf scheinbar klare Einstellungen und Haltungen wurde ein neues Licht geworfen: Wie steht es eigentlich wirklich um unsere eigene Geschlechtsidentität, ist das wirklich alles so klar? Einer Person von uns ist bewusst geworden, dass sie gar nicht so cis ist, wie sie immer von sich dachte, dass es da genderfluide Anteile seit der Kindheit gibt, die aber nie wirklich reflektiert wurden.

So ist unser Projekt auch zu einem eigenen, persönlichen Prozess geworden, und nach zwei Jahren gemeinsamen Organisieren trauen wir uns auch untereinander, uns mehr zu zeigen und kontroverser und kritischer miteinander umzugehen und Themen wirklich so lange auszudiskutieren, bis alle sich gehört und abgeholt fühlen.

Und nein: wir kennen nicht jedes Buch zum Thema, auch wir versprechen uns mal, sagen aus Versehen ein falsches Pronomen oder erwischen uns bei einer unreflektierten Fremdzuschreibung. Wir sind nicht perfekt, auch wenn wir es natürlich gerne wären. Wir wollen uns aber weiterentwickeln, diese tief ins Unterbewusste eingeschliffenen binären Wahrnehmungsgewohnheiten und Verhaltens- und Denkmechanismen bewusst machen, sie abbauen und ersetzen durch neue, positive innere Haltungen und Verständnisse vom Menschsein.

Was wir uns wünschen für die Zukunft

Wir wünschen uns mehr Mitstreiter*innen für die Organisation (nicht viel Aufwand, aber sehr viel Spaß!) unserer Bühnen und vor allem wünschen wir uns mehr Diversität. Gegenwärtig sind wir alle weiße Akademiker*innen, eine Person ist cis und hetero, eine Person ist cis und queer, eine Person ist genderfluid und hetero. Meldet euch also gerne bei uns, wenn ihr euch gerufen fühlt, bei uns einzusteigen. Das kann auch temporär sein, ihr müsst euch nicht auf Jahre verpflichten! Wir müssen sowieso nichts!

Wir wünschen uns in erster Linie, eine gute wertschätzende Zeit miteinander zu haben, etwas Sinnvolles zu tun, Räume für Empowerment, Sichtbarkeit, Reflektion und Auseinandersetzung zu schaffen, mit allem, was dazu gehört – eine echte Begegnung, die nicht nach der ersten Unstimmigkeit gleichgültig auseinanderfällt, auch mal Widersprüche aushält, mit Fehlern wohlwollend umgeht und getragen ist von Zuhören, Ausreden lassen, Austausch, Gefühlen, Differenz und Annäherung, von echtem Sich-Kennenlernen eben.

Wir suchen auch immer Menschen, die gerne schreiben und bei uns auftreten wollen, ob „Profi“ oder „Laie“, Anfänger*in oder schon seit 30 Jahren auf der Bühne – in diesen Kategorien denken wir nicht! Come as you are, du bist richtig so wie du bist, wir empfangen dich mit offenen Armen!

Wir wollen auch noch mehr an unserer Sprache und unserem Mindset arbeiten, um mehr und mehr dieses repressive und menschenverachtende binäre Geschlechtersystem zu dekonstruieren und Vergangenheit werden zu lassen! Und dies vor den seit mehreren Jahren sich abzeichnenden Backlashes und Anfeindungen noch viel entschlossener und bestimmter!!

Für Freiheit braucht es Befreiung. Aber wovon eigentlich genau befreien? Wir denken wie viele andere auch: von den ganzen ansozialisierten Normen und „Normalitäten“, den Fremdzuschreibungen, den Labels und Schubladen. Auch Befreiung von den mit diesem Schritt verbundenen Ängsten und Unsicherheiten. Wie das geht? Das möchten wir mit euch gemeinsam herausfinden! Wir begreifen unsere Bühne als einen Lern- und Experimentierraum, nutzt ihn gerne, um euch auszuprobieren, um sichtbar zu werden, für euch selbst und für alle anderen, die sich noch nicht trauen, um auch sie zu ermutigen.

Wir sind überzeugt: so können wir gemeinsam wachsen und uns gegenseitig empowern. Ohne uns schon wieder anpassen, verstellen oder verstecken zu müssen – sei es hinter sozialen Masken oder buchstäblich zuhause im Bett. Wir wollen nicht nur uns selbst ermutigen, wir wollen auch euch ermutigen, gemeinsam an einer neuen Zukunft zu basteln! Aber auch das bisher Erreichte der vielen vielen Bewegungen vor uns und ihrer Kämpfe um Anerkennung in den letzten Jahrzehnten zu wertschätzen und zu sichern. Und noch klarer und deutlicher Position im Hier und Jetzt zu beziehen, auch wenn wir nur eine ganz kleinen Bubble hier in Lichtenberg sind: für Vielfalt, für Individualität, für Verbundenheit, für Gemeinschaft, für Anerkennung, für Sichtbarkeit, für Freiheit!